Microsoft Azure ist der Cloud-Anbieter, der in DACH-Unternehmen am tiefsten verankert ist — über Microsoft 365, Active Directory und Enterprise Agreements. Die Versuchung liegt nahe, auch die Infrastruktur "einfach bei Microsoft" zu hosten. Aber Azure gehört zur Microsoft Corporation, Redmond (US) — und unterliegt damit dem CLOUD Act, auch am Standort Frankfurt. Hetzner ist eine deutsche GmbH, vollständig unter EU-Recht. Dieser Vergleich zeigt Kosten, Leistung, Services und Compliance im Detail — mit konkreten Zahlen aus der offiziellen Azure Retail Prices API.
Kostenvergleich: Hetzner vs. Azure
Azure und AWS bewegen sich preislich auf ähnlichem Niveau — beide sind ein Vielfaches von Hetzner. Wer bereits ein Enterprise Agreement hat, bekommt Rabatte — aber selbst mit 40% EA-Discount bleibt Azure deutlich teurer.
Compute (Vergleich nach RAM-Tier)
Hetzner-Shared-vCPU-Instanzen (CX-Serie) teilen sich physische CPUs. Azures B-Serie ist ebenfalls burstable (geteilte Ressourcen), während die Dsv5-Serie dedizierte, konsistente CPU-Leistung bietet. Der Vergleich zeigt beide vCPU-Zahlen transparent: Hetzner Cloud: Aktuelle Preisliste Azure Retail Prices API: Offizielle Preisdaten
| RAM-Tier | Hetzner (Shared vCPU) | Azure (On-Demand) | Faktor |
|---|---|---|---|
| 4 GB | CX23: 2 vCPU — €3,99/Monat | B2s: 2 vCPU — ~€32/Monat | 8x |
| 8 GB | CX33: 4 vCPU — €6,49/Monat | D2s v5: 2 vCPU — ~€77/Monat | 11,9x |
| 16 GB | CX43: 8 vCPU — €11,99/Monat | D4s v5: 4 vCPU — ~€154/Monat | 12,9x |
| 32 GB | CX53: 16 vCPU — €22,49/Monat | D8s v5: 8 vCPU — ~€309/Monat | 13,7x |
| 32 GB (dediziert) | CCX33: 8 vCPU — €62,49/Monat | D8s v5: 8 vCPU — ~€309/Monat | 4,9x |
Der fairste Vergleich ist die letzte Zeile: Hetzner CCX33 mit dedizierten vCPUs gegen Azure D8s v5 — gleiche Kern-Anzahl, gleiche RAM-Menge. Faktor 4,9x. Die Preise sind nahezu identisch mit AWS — die beiden größten Hyperscaler konkurrieren primär um Enterprise-Kunden, nicht um den günstigsten Preis.
Storage und Traffic
| Ressource | Hetzner | Azure |
|---|---|---|
| Block Storage (SSD) | €0,057/GB/Monat | Standard SSD: ~€0,069/GB/Monat |
| Premium SSD | — | Premium SSD: ~€0,143/GB/Monat |
| Inkludierter Traffic | 20 TB/Monat (EU-Standorte) | 100 GB/Monat (kostenlos) |
| Egress-Traffic | €1/TB (über Inklusivvolumen) |
Rechenbeispiel: Typischer SaaS-Workload
Ein mittelständisches SaaS-Produkt mit 2 App-Servern, 1 Datenbank-Server, 500 GB Storage und 5 TB monatlichem Egress-Traffic:
| Posten | Hetzner | Azure |
|---|---|---|
| 2x App-Server (16 GB RAM) | 2× CX43: €23,98 | 2× D4s v5: €309,00 |
| 1x Datenbank-Server (16 GB RAM) | 1× CCX23 (self-hosted PostgreSQL): €31,49 | Azure DB for PostgreSQL (4 vCPU): ~€285,00 |
| 500 GB Block Storage | €28,60 | Standard SSD: ~€35,00 |
| 5 TB Egress-Traffic | €0,00 (im Inklusivvolumen) | ~€392,00 |
| Monatliche Gesamtkosten | ~€84 | ~€1.021 |
| Jährliche Kosten | ~€1.008 | ~€12.252 |
Das ergibt einen Faktor von ~12x — getrieben durch Azure-Egress-Kosten und teurere Instanzen.
Performance-Benchmarks
Azure bietet solide Compute-Performance und starke Netzwerk-Infrastruktur. Für reine Compute-Workloads in der EU liefert Hetzner vergleichbare Leistung zu einem Bruchteil der Kosten.
| Metrik | Hetzner | Azure |
|---|---|---|
| Netzwerk-Latenz (intra-DC) | Sehr gut (~0,3 ms) | Sehr gut (~0,2 ms) |
| Disk I/O (SSD) | Gut (Hetzner NVMe lokal) | Variabel (Managed Disks netzwerkbasiert) |
| CPU-Konsistenz | Hoch (dedizierte CCX-Serie) | Hoch (Dsv5-Serie) |
| Netzwerk-Durchsatz | Bis 10 Gbit/s | Bis 30 Gbit/s (teure Instanzen) |
Souveränität und Compliance
Der strukturelle Unterschied ist derselbe wie bei AWS und GCP — Microsoft ist ein US-Unternehmen. Die rechtlichen Details zum CLOUD Act und dem Risiko für EU-Daten gelten hier ebenso:
| Kriterium | Hetzner | Azure |
|---|---|---|
| Eigentümer | Hetzner Online GmbH, Gunzenhausen (DE) | Microsoft Corporation, Redmond (US) |
| CLOUD Act Exposition | Keine — nicht US-jurisdiziert | Voll — US-Muttergesellschaft |
| DSGVO-Konformität | Nativ — ausschließlich EU-Recht | Rechtskonflikte mit US-Recht |
| BSI C5 Testat | Ja — Typ 2 (seit März 2026) | Ja (SOC 2 Type II + C5 kombiniert) |
| ISO 27001 | Ja | Ja (+ ISO 27017, 27018, 27701) |
| Rechenzentren EU | Falkenstein, Nürnberg, Helsinki | Frankfurt, Berlin, Zürich u.a. (10+ EU-Regionen) |
| Rechenzentren weltweit | 6 Standorte, 3 Kontinente | 60+ Regionen, global |
| Sovereign Cloud Option | Nativ — deutsche GmbH | Microsoft Cloud for Sovereignty (Aufpreis) |
| Datenverarbeitung | Nur EU-Recht anwendbar | US-Recht kann DSGVO überlagern |
Microsofts Sovereign-Cloud-Antwort
Microsoft bietet mit Microsoft Cloud for Sovereignty eine Lösung für regulierte Branchen: EU Data Boundary, Confidential Computing und kundenverwaltete Verschlüsselungsschlüssel. Microsoft Cloud for Sovereignty
Das klingt vielversprechend — hat aber Einschränkungen:
- Aufpreise für Sovereignty-Features und Confidential Computing
- Eingeschränktes Service-Portfolio — nicht alle Azure-Services unterstützen Confidential Computing
- Komplexere Konfiguration — Sovereignty-Kontrollen erfordern zusätzliche Architektur-Entscheidungen
- Rechtlich ungetestet — ob die EU Data Boundary einen CLOUD-Act-Beschluss tatsächlich blockieren kann, ist juristisch ungeklärt
- Gescheiterter Vorgänger: Die frühere "Microsoft Cloud Deutschland" (betrieben durch T-Systems als Datentreuhänder) wurde 2021 eingestellt — Microsoft hat diesen Ansatz aufgegeben
Für die meisten DACH-KMUs ist Hetzner die einfachere und günstigere Lösung für EU-Datensouveränität — ohne Sovereign-Cloud-Aufpreise und ohne rechtliche Unsicherheiten.
Wo Azure die bessere Wahl ist
Ein fairer Vergleich muss anerkennen, wo Azure echte Vorteile hat:
- Enterprise-Integration: Azure Active Directory (Entra ID), Microsoft 365, Dynamics 365, Power Platform — kein anderer Cloud-Anbieter bietet diese Tiefe an Microsoft-Integration. Für Unternehmen mit 500+ Microsoft-Lizenzen ist das ein echter Produktivitätsvorteil.
- Azure OpenAI Service: Exklusiver Cloud-Zugang zu OpenAI-Modellen (GPT-4, DALL-E) mit EU-Datenverarbeitung. Für AI-Workloads, die auf OpenAI-Modelle setzen, ist Azure derzeit alternativlos.
- Hybrid Cloud (Azure Arc): Azure Arc erlaubt die Verwaltung von On-Prem-Servern, Edge-Geräten und Multi-Cloud-Ressourcen über eine einheitliche Kontrollebene. Für Unternehmen mit bestehender On-Prem-Infrastruktur ist das ein starkes Argument.
- Managed Databases: Azure SQL, Cosmos DB, Azure Database for PostgreSQL — vollständig verwaltete Datenbanken mit automatischem Failover. Hetzner hat keine Managed-Datenbank-Angebote.
- Azure Kubernetes Service (AKS): Managed Kubernetes mit tiefer Azure-Integration, Virtual Nodes und KEDA-Autoscaling. Hetzner bietet grundlegendes Managed K8s, aber ohne diese Tiefe.
- Enterprise-Support und SLAs: 99,95–99,99% Verfügbarkeit mit Availability Zones, 24/7-Support mit 15-Minuten-Reaktionszeiten (Unified Support). Hetzner-Support ist solide, aber nicht auf Enterprise-Niveau.
- Globale Präsenz: 60+ Regionen weltweit — die größte Anzahl aller Cloud-Anbieter. Azure: Globale Infrastruktur
Wo Hetzner die bessere Wahl ist
- Preis/Leistung: 5–13x günstiger bei vergleichbarer Compute-Leistung — selbst mit Azure Reserved Instances.
- Vorhersagbare Kosten: Kein Egress-Pricing-Schock. 20 TB Traffic inklusive, danach €1/TB statt ~€80/TB.
- EU-Datensouveränität: Kein CLOUD Act, kein FISA 702, keine US-Muttergesellschaft. Strukturell DSGVO-konform — ohne teure Sovereign-Cloud-Features.
- Einfachheit: Weniger Services, aber die wichtigsten (Compute, Storage, Load Balancer, DNS, Firewall) funktionieren zuverlässig und sind in Minuten konfiguriert.
- Transparente Abrechnung: Monatliche Festpreise statt nutzungsbasierter Abrechnung mit EA-Rabatten, Reserved Instances und Dutzenden Kostendimensionen.
- Kein Vendor-Lock-in: Hetzner setzt auf Standard-APIs und offene Protokolle. Bei Azure können Enterprise Agreements, Entra-ID-Integration und Dynamics 365 einen tiefen organisatorischen Lock-in erzeugen. Hetzner Cloud: Preise und Features
Wann welchen Anbieter wählen?
Hetzner wählen, wenn:
- DSGVO-Compliance und Datensouveränität geschäftskritisch sind
- das Budget begrenzt ist und vorhersagbare Kosten wichtiger sind als Managed-Service-Vielfalt
- der Tech-Stack auf bewährten Open-Source-Tools basiert (PostgreSQL, Redis, Node.js, Go)
- die Zielgruppe primär in der DACH-Region / EU liegt
- keine tiefe Microsoft-365-Integration benötigt wird
Azure wählen, wenn:
- das Unternehmen bereits tief in das Microsoft-Ökosystem investiert ist (Microsoft 365, Entra ID, Dynamics 365)
- Azure OpenAI Service für AI/ML-Workloads Kernbestandteil ist
- Hybrid-Cloud-Szenarien mit Azure Arc On-Prem-Server einbinden müssen
- globale Skalierung mit 60+ Regionen benötigt wird
- US-Recht kein Compliance-Problem darstellt (z.B. US-Kunden, kein EU-Personenbezug)
Die Realität für die meisten DACH-KMUs: Sie brauchen Compute, Datenbank, Storage und guten Support — kein Enterprise Agreement mit 200+ Azure-Services. Für 95% der mittelständischen SaaS-Workloads ist Hetzner die wirtschaftlich und regulatorisch bessere Wahl. Vergleichen Sie auch die Alternativen im Hetzner vs. AWS-Vergleich und Hetzner vs. GCP-Vergleich.
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Quellen
- Hetzner Cloud: Aktuelle Preisliste (2026, nach April-Anpassung)
- Azure Retail Prices API: Offizielle Preisdaten (D2s v5, D4s v5, D8s v5, B2s — Germany West Central)
- Azure: Bandwidth / Egress Pricing
- Hetzner: Traffic-Inklusivvolumen und Überschreitungskosten
- Hetzner: Datenschutz FAQ — DSGVO und Datenverarbeitung
- Hetzner: BSI C5-Testat Typ 2 (März 2026)
- Microsoft: BSI C5 Compliance — Azure (SOC 2 Type II + C5 + CSA STAR)
- Microsoft Cloud for Sovereignty
- Azure: Globale Infrastruktur — 60+ Regionen
- BSI C5: Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue